Die Geschichte der Siamkatze

 

Erste Beschreibungen über die Siamkatzen finden sich im "National Library" in Bangkok aus dem Jahre 1350. Die Zeichnung zeigt eindeutig eine Katze mit hellem Körper und mit dunklen Points (so werden die "Punkte" bezeichnet, an denen eine Siam Farbe hat, wie Kopf, Schwanz, Pfoten). Sie wird hier noch Vichien Mas genannt. Die Siamkatzen waren auch in Thailand (dem früheren Siam) immer selten und wurden deshalb auch nur vom Adel gehalten.

 

Über die Siamkatze zu schreiben, ohne die Legende zu erwähnen, wäre nicht anständig. Um die Siamkatze ranken sich mehrere Geschichten. Eine davon erzählt, daß die Siamkatze beauftragt wurde, in Palästen die wertvollen Kelche zu bewachen. Die Siamkatze nahm ihre Aufgabe ernst und wickelte ihren Schwanz um den Kelch. Nach geraumer Zeit konnte sie ihren Schwanz nicht mehr geradebiegen.

Eine andere Geschichte erzählt, daß eine Prinzessin die Siamkatzen als ihre besonderen Lieblinge vergötterte. Immer wenn die Prinzessin baden ging, übergab sie ihren Schmuck ihrer Lieblingskatze, damit diese den wertvollen Schmuck bewachen konnte. Die Siamkatze ließ es zu, daß die Prinzessin ihre Ringe über den Schwanz streifte. Um nun ja keinen Ring zu verlieren, bog die Siamkatze ihren Schwanz und als Folge davon blieb der Knick.

 

Nochmals eine andere Legende erzählt, daß alle Tempelkatzen ihre Aufgabe als Beschützerin der wertvollen Gegenstände sehr ernst genommen haben. Sie starrten unentwegt auf die Gegenstände und begannen zu schielen.

 

 

Die ersten Ausstellungen in England und in Amerika

 

Charles Darwin hatte schon 1869 empört festgestellt, daß das Volk wenig Verständnis für die Hauskatze zeigte. Am ehesten wurden noch Katzenbabies gerettet, solange sie niedlich anzusehen waren. Die erwachsenen Tiere wurden einfach geköpft wie die Hühner.

Im 19. Jahrhundert waren wenige Leute zu finden, die sich als echte Katzenliebhaber bekannten. Meistens dann noch aus dem Adel, weil eine Rassekatze sich nur jene leisten konnten, die auch das Geld hatten. Ganz allmählich bildeten sich kleine Gruppen von Liebhabern und sie begannen, die Katze dem Menschen näher zu bringen. Die ersten Tiere wurden in Zoos gezeigt.

Zu überzeugen war der Adel auch nicht leicht, daß eine Katze an einer Show Preise gewinnen konnte und daß man die Nachkommen auch wieder verkaufen konnte.

Nur einige wenige scheuten die Anstrengungen nicht und diese organisierten sich und "der feline Adel" war gegründet. Noch waren die Bezeugungen spärlich, und ein Reporter bezeichnete diese Kehrtwende als "eine unter Männerherrschaft im 19. Jahrhundert hervorgebrachte, künstliche Verbesserung der Tiere Gottes".

Trotz des Widerstandes wurde am 16. Juli 1871 in Londons berühmtem Crystal Palace die erste öffentliche Cat-Show durchgeführt. Die Leitung übernahm der damals bekannte Tierautor Harrison Wier.

Die gewaltige Ausstellungshalle des Crystal Palace wurde bis dahin nur für Pflanzen-, Maschinen-, Vogel- und Vieh-Ausstellungen benutzt. Unter der sachlichen Unterstützung von Harrison Wier wurde die erste Cat-Show vom Volk mit Begeisterung angenommen. Fast 200 Katzen wurden eingeschrieben und als Besonderheit eine Wildkatze aus dem Schottischen Hochland gezeigt. Diese Show war die Stunde der Siamkatze.

In den folgenden Jahren versuchte Gordon Stables, ein Kollege von Wier's, in den Rassen eine einheitliche Zucht zu fördern, so wie er es von den Hunden kannte.

In Amerika wurde die erste Cat-Show am 9. Mai 1895 durchgeführt. Ein Reporter schrieb damals in der "New York Harald": Jedermann kennt die Englischen Katzen und man weiß, welch lustiges Ding sie sind. Und anschließend beschrieb er sehr ausführlich diese erste American-Catshow. Sie fand noch in einem Restaurant statt, der Raum grenzte an den Madison Square Garden.

Organisiert wurde diese Show vom englischen Katzenfreund James Hyde. Und er versuchte, den grossen Erfolg der Crystal-Palace-Show zu wiederholen. Ein Reporter beschrieb es so: "Eine Tabbykatze sah ich, nur das und nicht mehr! Die Besitzerin präsentierte sich dafür in einem Weiss-Goldenen Kleid der Pariser Mode. Sie wußte sich ins gute Licht zu setzen und betonte die Vorzüge ihrer Siamkatzen und nannte den stolzen Preis von 1000 Dollar". Es wurden auch Wildkatzen gezeigt. Gold- und Silber-Medaillen, Schalen, Löffel, Bonbonièren und gravierte Halsbänder wurden als Preise offeriert und Gold im Wert von ca. 10 Dollar für die Siegerkatze der Show. Ein Champion wurde nicht selten in Öl gemalt.

 

 

 

Erste Farben und die Registrierungen

 

Frühe Anstrengungen für die Errichtung eines Registers der Katzen schlugen fehl, weil zu wenige Regional-Clubs existierten und wenig Interesse daran bestand, eine solche Institution zu gründen. 1899 gründete Mrs. Clinton Locke den Beresford Cat Club in Chicago. 1920 kam der grosse Durchbruch, das Register des American Cat Association (ACA), das der Cat Fancier's Association (CFA) und jenes vom The International Cat Associaton (TICA) wurden in den 20ern gegründet und bestehen heute noch.

Früh schon wurde selektioniert und nur mit den besten Tieren weitergearbeitet. Bekannt waren damals vorwiegend Perserkatzen, davon gelöst die Angorakatzen, Russian blue und Indians galten als Exoten, und sehr beliebt waren die Siamkatzen.

Um die Jahrhundertwende gewann dann jedoch eindeutig die Siamkatze in England und in Amerika an Popularität bei den Züchtern. Die einmalige Kombination von Freundlichkeit, Temperament und auffallendem Aussehen hinterließ eine königliche Wirkung bei den Kurzhaarkatzen-Fans.

 

Anfangs nur Seal- und Blue-Point

 

Bis Mitte des 20. Jahrhunderts waren bei den Siamkatzen vor allem Seal- und Bluepoints bekannt.

Nach dem 2. Weltkrieg boomte eine Farbenvielfalt. Das war der positive Beweis, daß sich Verständnis in der Genetik und Verstand etabliert hatten. Bis dahin war die Meinung verbreitet, daß nur die englischen Katzen "gut" seien und alle anderen fehlerhaft.

1967 gaben die englischen Autorinnen Mary Eustace und Elizabeth Towe in ihrem Buch "50 Jahre Katzen mit Stammbaum" zu, daß die Beste, die Schönste und die Gesündeste nicht die "English Cat" sein muß.

Die Rassen wandelten sich dem 'perfekten Standardtier' zu.

Viele sehen heute ganz anders aus als vor 100 Jahren. Aber sie sind immer noch dem Standard entsprechend. Die heutigen Siamesen sind gewaltig verändert worden gegenüber ihren Vorfahren. Die Züchter haben ausgefeilt und vollendet, haben eine Harmonie und den besonderen Kick in die Rasse gebracht. Die hervorragenden Tiere der heutigen Shows sollen uns begreifen machen, daß sie alle nur existieren, weil sie ein Zeugnis des Erfolges der Pioniere der Katzenfans sind.

 

Der Werdegang

 

Als 1871 die Siamkatze von der westlichen Welt eingeführt wurde als die erste "modern English Cat" und ausgestellt wurde im Crystal Palace, dachte niemand, daß diese Katze einmal so bekannt werden wird.

Ein Schreiber bezeichnete sie als "ein unnatürlicher Alptraum von einer Katze". Ein anderer schrieb, daß diese Katzen nie so beliebt sein werden wie die normale Katze, sondern immer nur von einem bestimmten Freundeskreis geliebt würden.

Viele Züchter verließ der Mut, denn die Siamkatze war nicht leicht zu züchten. Der Klimawechsel machte dieser Rasse schwer zu schaffen und die Besitzer kapitulierten. Den wenigen aber, die der Siamkatze treu geblieben sind, verdanken wir heute diese herrliche, temperamentvolle Schmuserin.

Die ersten Siamesen an den Shows waren kleine Bärchen und sie hatten wenig Ähnlichkeit mit ihren anmutigen Cousins von heute.

Der 1. Siam-Champion um die Jahrhundertwende hatte einen viel runderen Kopf und einen dicken, geknickten Schwanz. Viele Siamesen hatten gelbe Augen und allgemein schielten sie. Zum Glück wurde erkannt, daß Knickschwanz und Schielen Fehler waren, die herausgezüchtet werden mußten. Heute würde niemandem mehr einfallen, mit Tieren, die solche Fehler aufweisen, zu züchten oder an Ausstellungen zu gehen. Genausowenig würde heute jemand mit einer bärenhaften Siamkatze an Shows gehen oder züchten. Wir alle machen doch Veränderungen mit, die Zeit, genannt Zukunft arbeitet an allem, an uns, an der Natur, an der Technik. Oder sehen wir heute noch so aus wie unsere Vorfahren im 19. Jahrhundert?

Trotz Veränderungen hat die Siamkatze immer an Popularität gewonnen und ist bis heute neben der Perserkatze die bei weitem bekannteste Rasse geblieben.

Schon 20 Jahre nach ihrem Erscheinen in England wurde über die Siamkatze geschrieben: "Sie sehen aus wie edle Windhunde und sind beweglich im Drehen und großartig im Springen. Sie werden eine große Laufbahn haben in der Zukunft".

Tatsachen oder Historisches

 

Und obwohl 1871 an der Show im Crystal Palace tatsächlich die 1. Siamkatze gezeigt worden ist, wurde diese Rasse auch in England erst besser bekannt, als 1884 Owen Gould, der Bruder des Britischen Generalkonsuls in Bangkok, mit einem Paar Siamkatzen nach England kam. Diese Tiere wurden von seiner Schwester Mrs. Lillian Velvey ausgestellt. Die auffällig und ungewöhnlich gefärbten Katzen erregten schnell das Interesse der Katzenliebhaber. Diese ersten Siamesen hatten einen für heutige Begriffe runderen Kopf (trotz allem aber war ein Dreieck erkennbar) und einen wesentlich kompakteren Körperbau, der nicht zu übersehen ist.

Viele Quellen sagen, daß die ersten Siamkatzen von Mrs. Rutherford B. Hayes nach den USA eingeführt worden seien. Sie war die Frau des 19. Präsidenten.

Es ist gewiß, daß die Siamkatze ihre Anhängerschaft im königlichen Palast hatte und als wundervolle blaublütige Katze galt. Mit Sicherheit wissen wir auch, daß die Siamkatze ihren Weg nach England fand und im Crystal Palace 1871 erstmals ausgestellt worden ist.

Der Besitzer der ersten Siamkatzen ist bekannt, während der Name der 1. Siamkatze nicht genau genannt werden kann. Wir wissen, daß die ersten Siamesen im Beresford Cat Club registriert worden sind und daß Mrs. Clinton Locke, die Gründerin dieses Clubs, mit Sicherheit die erste Siamkatze hatte, die eine Best in Show gewonnen hat. Diesen bemerkenswerten Gewinn machte sie 1907 in Detroit mit "Lockehaven Siam", es folgte der Gewinn mit "Lockehaven Elsa" in Chicago, nur ein Jahr später. Sie nannte das "Glück".

 

Das unkontrollierte Vermehren und die verminderte Sorgfalt in der Zucht führte dazu, daß in jenen Jahren viele Siamzuchten an Seuchen eingingen und die Siamkatze erfuhr heftige Verluste. Um den verantwortungslosen Züchtern das Handwerk zu legen und die Preise wieder zu senken, wurde 1909 The Siamese Cat Society of America (SCSA) gegründet. Der Rest der Siam-Geschichte ist historisch und nicht unbedingt belegt.

 

Der Ursprung der Farben

 

Eine wichtige Informationsquelle ist das Buch von Carlon Boren" History of the Siamese Cat". Trotzdem haben sich die meisten Daten von Züchter zu Züchter weitergeführt, da das Buch schnell vergriffen war.

Im Oktober 1928 wurde an der Show im Madison Square Garden der Importkater CH. Djer-Kits Chinkaling of Newton, genannt Chinky, Best Siamese. Und noch ein Import machte damals von sich reden und taucht auch in frühen Stammbäumen oft auf "CH. Oriental Nanki Pooh of Newton", Nikki genannt. Er wurde Vater von über 1300 Jungtieren und starb mit 17 Jahren. Und noch eine "wundersame Katze" wurde 1928 gezeigt, "eine Siamese longhaired", die jedoch nur belächelt wurde, weil eine Siamkatze doch kurzhaarig zu sein hatte.

Mrs. Cobb war sehr bemüht um die Siamzucht. "Newton's Jay Tee" war die erste Seal-Point, welche den CFA GR.CH. gewinnen konnte. Jay Tee starb mit 10 Jahren. Mrs. Cobb züchtete nicht nur und stellte dann aus. Sie war eine der 1. Züchterinnen, die ihr Zuchtprogramm genetisch fundiert durchführte. Zusammen mit Dr. Clyde E. Keeler erforschte sie den Background der Siamesen mit dem Schwergewicht auf die Farben und dadurch auch den Einfluß der Siam in anderen Zuchtprogrammen.

Während Seal-Point und Chocolate-Point Siamesen schon in den frühesten GB- und USA-Shows erwähnt wurden - obgleich die Chocolate-Point mit den Seal-Points zusammengefaßt wurden im English-Register - waren die Blue-Points nicht speziell aufgeführt. Die 1. erwähnte Blue-Point Siamese wurde 1896 in London ausgestellt. Der "Siamese Cat Club of England" wies 1902 erstmals die Anerkennung dieser Farbe ab.

Wo war der Ursprung? Virginia Cobb und Clyde Keeler suchten zusammen mit Doris Bryant nach dem mysteriösen Ursprung. Im November 1934 veröffentlichten sie mit dem Buch "The Genetics of the Blue-Point Siamese Cat" ihre Ergebnisse. Sie fanden heraus, daß die blauen damals Malto-Siamese genannt worden sind und daß die ersten Seal-Points, die von England in die USA kamen, schon Träger der Farbe Blue waren. In England waren die Blue-Points schon 1896 bekannt. Der Importkater "CH. Carlisle" trug das Gen für blue wahrscheinlich nach den USA. Er wiederum dürfte es von einer Blauen Shorthair bekommen haben. Die Russian blue waren in England damals schon sehr bekannt. So dürfte auch der 1. Franzose "Cairo Ramses" die Farbe Blue-Point erhalten haben. In den USA beschloß die SCSA 1914 den englischen Standard nicht mehr zu nehmen, und sie formulierte einen eigenen US-Standard. 1927 wurde dieser von der CFA angenommen und die Seal-Point Siamese anerkannt.

Der Weg der Chocolate-Point Siamese war etwas steiniger. Nachdem 1930 der Wunsch aufkam, daß die Siamclubs einen einheitlichen, allgemein gültigen Standard für die Siam erstellen sollten, wurden die Chocolate-Point als "unsaubere" Farbe verschenkt und/oder kastriert. In England erkannten die Züchter zuerst die neue Farbe und sie erreichten, daß der GCCF die Chocolate-Point 1950 als eigene Farbe anerkannte und einen eigenen Standard formulierte. Die amerikanischen Züchter bekannten sich nun auch zu ihren Chocolats und die CFA anerkannte die Farbe 1952.

Der Ursprung für die Anerkennung der Farbe Lilac-Point kam von der Westküste der USA. Die Arbeit leistete hier das Ehepaar Carlon und Dr. Ralph Boren und Ann Leigh. Während mehrerer Shows von 1953-1955 in Californien wurden die zarten Lilac-Points (in USA Frost-Point) gezeigt. Niemand kam mehr auf die Idee, diese zarte Farbe als "unsauber" zu verschweigen und so kam die Anerkennung relativ schnell. Diesmal war die USA schneller; 1955 registrierte die CFA und 1960 folgte England.

Erfolg der Siam-Zucht

 

Nun boomte die Siam-Zucht rund um die Welt. Keine Seltenheit waren 120-150 Siamesen innerhalb einer Katzenshow. Der Standard stand, doch noch einmal wurde er überholt. "Bult'h Hex" eine Blue-Point wurde 1961 ausgestellt. Ihr auffallendes Merkmal "tiefstblaue Augen". Seither wird die Augenfarbe mit "Chinablau" beschrieben und verlangt.

Obwohl heute eine Menge Rassen ebenfalls die Maskenfärbung eingezüchtet bekommen haben, ist und bleibt die Siamkatze einmalig. Die Siamkatze hatte ihre einmalige Färbung von Anfang an und sie ist und wird immer etwas Besonderes bleiben. Manche Züchter sind zwar etwas zu extrem an das Erreichen von "schlank und spitz" herangegegangen.

Bei der Zucht der Siamkatze sollte auch heute noch darauf geachtet werden, daß sie gesund und widerstandsfähig ist. Den Klimawechsel hat sie zwar gut überwunden, aber an züchterischen Fehlinterpretationen des Standards beißt sie sich heute die Zähne aus. Eine Siamkatze ist eine schlanke, hochbeinige geschmeidige Katze mit spitzen Formen, also einem dünnen, spitz zulaufenden Schwanz und einem dreieckigen Kopf mit einer spitzen Schnauze.

Viele Züchter legen ihr Zuchtziel auf ein einziges Merkmal. Eine Siamkatze, die einen extrem spitzigen Kopf hat und sonst in nichts harmoniert, oder eine Siamkatze, die einen extrem schlanken Körper mit extrem langen dünnen Beinchen und einen Kopf wie eine Bulldogge hat, oder die Siamkatze, die ein kleines Köpfchen mit riesig großen Ohren zum draufstehen hat, seitlich so angewachsen, als ob eine Kobra sich brüstet, kann nie und nimmer standardgemäß sein.

 Bei der Siamkatze steht bei jedem Punkt "harmonisch" und das sollte sie sein:

Standardgemäß harmonisch, ein zauberhaftes Wesen, das seit über 100 Jahren die Menschen in Europa und USA bezaubert und mit Schmusen verwöhnt.

Seit Anfangs letzten Jahrhunderts wurden diese exotischen Tiere auch in Deutschland gezeigt, allerdings vorwiegend in Zoologischen Gärten, wie etwa in Berlin, in Frankfurt oder in Dresden. Auch in Holland wurde die Siamkatze schon Ende des vorletzten Jahrhunderts in Den Haag im Zoo gehalten.

In der Schweiz war diese Exotin natürlich auch dabei. Anläßlich der 1. Katzenausstellung in Bern, im Jahre 1937, wurde sie noch in zwei Gruppen gezeigt.

Die 1. Kategorie wurde mit Kurzschweif- und die 2. Kategorie mit Langschweif-Siamkatze bezeichnet. Und gemäß dem Standard wurden denn auch mehr langschweifige Siamkatzen gezeigt. Auch in Europa wurde im Standard festgehalten, daß diese schlanke und langbeinige Katze ein marderartiges langes "Gesicht" haben muß. Man hatte sich schon früh darauf geeinigt, daß die schlankere Form der ursprünglich importierten Katzen als Siam weitergezüchtet werden soll. Die etwas stämmigere Variante, vermutlich die Vorfahrin der heutigen Burma, wurde denn auch für diese Rassen weitergezogen.

Während die bekannten Farben doch eher in England und in den USA zuerst gezüchtet worden sind und zur Anerkennung kamen, züchtete in den 40-er Jahren in Schottland eine Züchterin bereits die ersten Tabby-Points, welche aber erst 1966 anerkannt worden sind. Früh wurden auch die Red-Points gezeigt, nämlich 1934 in London. 1965 erlangten sie die Anerkennung. Eigentlich sehr spät, wenn man daran denkt, daß die Siamkatze da schon gute 75 Jahre gezielt gezüchtet wurde.

Das Aussehen hat sich verändert durch gezielte Auslese mit eleganten Katzen, dadurch sind die heutigen Siamesen im ganzen graziler geworden. Nicht alle Züchter haben ihre Tiere verfeinert. Aber diese, heute mit dem Namen Thai benannten Siamkatzen, haben chinablaue Augen, sie haben ein enganliegendes seidiges Kurzhaar, sie haben feine ovale Pfoten, einen am Ansatz dünnen und langen Schwanz (ohne Knoten!). Sie entsprechen den Siamkatzen der 70er Jahre. Unverständlich also, daß es unter den Thai-Züchtern solche gibt, die behaupten, die Thaikatze sei keine Siamkatze, sondern was ganz besonderes???

 

Der Idealtyp um die Jahrhundertwende

 

"ist eine mittelgroße Katze von robustem, aber elegantem Typ, eher rundlicher Statur und guter Muskulatur, trotzdem vorzüglich proportioniert", so wird sie beschrieben vom 'Siamese Breed Standard'. Diese Siamkatzen sind in keinem Punkt extrem, haben einen kräftigen Körperbau, einen breiteren, aber dennoch dreieckigen Kopf, mit weit auseinander gesetzten großen Ohren.

Der Idealtyp heute ist elegant, schlank und lang und sehr geschmeidig, jedoch muskulös. Der Kopf ist keilförmig (ein anderes Wort für dreieckig), die Ohren sind groß und die Nase ist lang und gerade. Hals und Beine sind lang und schlank, der Schwanz ist dünn im Ansatz und endet in einer feinen Spitze.

Hauptsache Siam Der Standard ist für beide Rassen in etwa der gleiche. Die sogenannte Thaikatze hält sich an der unteren Skala und die alte (belächelt als die neue) Siamkatze bewegt sich im oberen, der Perfektion näher gelegenen Bereich der Möglichkeiten. Eine Siamkatze ist nicht nur wegen der Maskenfärbung eine Siam, sondern ihr einmaliger Charakter gehört schon mit dazu. Der ist es, der unbedingt rein erhalten bleiben sollte. Die wirkliche, traditionelle und seit mehr als 100 Jahren als Siamkatze bekannte Rasse ist jedoch die heutige Schlankform.

 

Das Wesen der Siamkatze

 

Die heutige Siamkatze ist eine bemerkenswert elegante, schlanke und grazile Katze, mit der Figur des Mannequins. Sie stellt den Windhund unter den Katzenrassen dar. Die Siam ist eine Katze der Superlative: überschäumendes Temperament, herausragende Intelligenz, ausgeprägter Eigensinn und die entsprechende Begabung, ihren Willen durchzusetzen.

Ihre Geschwätzigkeit ist berühmt und berüchtigt; gerne unterhält sie sich stundenlang mit "ihrem" Menschen in allen Tonlagen. Dabei sind die Siamesen gelehrig und aufmerksam. Ihre Freundschaft und Zuneigung sind total; als Einzeltier gehalten vereinnahmt sie ihren Menschen völlig. Ihre kleine prächtige Persönlichkeit hat künftig Dreh- und Angelpunkt seiner Welt zu sein. Sie entwickelt ein inniges Vertrauensverhältnis zu ihm, begleitet ihn auf Schritt und Tritt. Aber trotz ihres - wie behauptet wird - hundeähnlich anhänglichen Verhaltens ist und bleibt sie Katze.

Wie andere Katzen schätzt sie Unabhängigkeit, Handlungsfreiheit und einen geregelten Tagesablauf. Disharmonie, Lärm und Nervosität sind ihr zutiefst zuwider. Fast jeder Katzenliebhaber ist fasziniert, sobald er mit einer Siamkatze oder einer ihrer einfarbigen, grünäugigen Schwestern mit dem glatten, metallisch glänzenden Fell, nähere Bekanntschaft schließt. Die Siam ist die Katze für "Kenner". Der Umgang mit ihr erfordert ungleich mehr an Katzenerfahrung und Einfühlungsvermögen, damit ihr Wesen sich voll entfalten kann und sie keinen seelischen Schaden nimmt.

Autorin:

Uschi Schwarzenbach